Du hast die Qualifikation. Du hast die Erfahrung. Aber der Gedanke an das Vorstellungsgespräch laehmt dich. Nicht weil du die Fragen nicht beantworten könntest — sondern weil du Angst hast, beim ersten Satz haengenzubleiben. Ich kenne das. Ich habe Jobs nicht angenommen, weil ich das Gespräch nicht durchstehen wollte. Ich habe Bewerbungen geschrieben und sie nicht abgeschickt. Ich habe unter meinen Möglichkeiten gearbeitet — jahrelang.
Das war falsch. Und das schreibe ich nicht, um mich zu verurteilen, sondern damit du den gleichen Fehler nicht machst. Du verdienst den Job, der zu dir passt. Und Stottern ist kein Grund, darauf zu verzichten.
Sollte ich im Vorstellungsgespräch sagen, dass ich stottere?
Die ehrliche Antwort: Es kommt drauf an. Aber aus meiner Erfahrung — als Betroffener und als Coach — sage ich: In den meisten Faellen ja.
Nicht weil du es musst. Rechtlich gibt es keine Pflicht, Stottern zu erwaehnen. Aber praktisch nimmt Offenheit den Druck raus. Stell dir vor, du sitzt da und versuchst krampfhaft, nicht zu stottern. Jeder Satz wird zur Pruefung. Das ist kein Gespräch mehr — das ist ein Überlebenskampf.
Die meisten Personaler reagieren respektvoll. Viele sind sogar beeindruckt von der Offenheit. Weil sie zeigt: Dieser Mensch kann mit Herausforderungen umgehen.
Wie bereitest du dich konkret vor?
Der erste Satz ist fast immer der schwerste. "Guten Tag, mein Name ist..." — diese drei Sekunden entscheiden über deinen Stresslevel für das gesamte Gespräch. Uebe diesen Satz laut, immer wieder. Nicht um ihn perfekt zu können, sondern um ihm die Angst zu nehmen.
Nicht wortwoertlich auswendig lernen — das erzeugt neuen Druck. Stattdessen: 3-4 Stichpunkte pro Standardfrage. "Erzaehlen Sie von sich." "Warum wollen Sie hier arbeiten?" Wenn du den Inhalt kennst, musst du nicht gleichzeitig denken UND sprechen.
Nicht im Kopf. Laut. Vor dem Spiegel, vor einer Kamera, vor einem Freund. Dein Mund muss die Woerter kennen, nicht nur dein Gehirn. Das reduziert Blockaden messbar.
"Das ist eine gute Frage, lassen Sie mich kurz nachdenken." Das ist kein Stottern — das ist Souveraenitaet. Eine Pause nach einer Frage ist voellig normal und professionell.
Was wenn du mittendrin blockierst?
Dann blockierst du. Und das ist okay.
Ich weiß, das klingt leicht dahergesagt. Aber denk mal drüber nach: Was ist das Schlimmste, das passieren kann? Du bleibst an einem Wort haengen. Der Personaler wartet kurz. Du sprichst weiter. Fertig.
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Kostenlose Stotteranalyse vereinbarenDarf ein Arbeitgeber dich wegen Stottern ablehnen?
Nein. Stottern kann als Behinderung im Sinne des Sozialgesetzbuches anerkannt werden. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schuetzt dich vor Diskriminierung aufgrund einer Behinderung — auch bei der Einstellung.
In der Praxis ist es natürlich schwer nachzuweisen, wenn jemand dich deshalb ablehnt. Aber das Recht ist auf deiner Seite. Und die meisten Arbeitgeber wissen das.
Wenn du dir unsicher bist: Bei Behoerden und größeren Unternehmen gibt es oft Schwerbehindertenbeauftragte, die dich unterstuetzen können.
Video-Call oder Praesenz — was ist besser?
Seit Corona sind Video-Interviews Standard. Für viele Stotterer ist das eine Erleichterung: Du bist in deiner vertrauten Umgebung, kannst Notizen vor dir liegen haben, und der Bildschirm schafft eine gewisse Distanz, die den Druck reduziert.
Mein Tipp: Wenn du die Wahl hast, nimm das Format, in dem du dich wohler fühlst. Und wenn du dein eigenes Bild im Video-Call stresst — schalt es aus. Die meisten Plattformen erlauben das.
Was kannst du langfristig tun?
Vorstellungsgespräche werden leichter, wenn du grundsaetzlich freier sprichst. In meinem Coaching arbeiten wir gezielt an beruflichen Sprechsituationen. Nicht theoretisch — sondern mit echten Uebungen, echten Rollenspielen, echtem Feedback. Lies auch den ausfuehrlichen Artikel zu Stottern im Beruf für weitere Strategien. Was Stottern bei Erwachsenen generell ausmacht und warum klassische Methoden oft nicht reichen, erkläre ich im Ratgeber Stottern bei Erwachsenen — was wirklich hilft.
Häufige Fragen
Sollte ich im Vorstellungsgespräch sagen, dass ich stottere?
Es gibt keine Pflicht. Aber Offenheit nimmt den Druck raus. Ein kurzer Satz am Anfang — "Ich stottere manchmal, das moechte ich kurz erwaehnen" — kann das gesamte Gespräch entspannter machen. Für dich und für dein Gegenüber.
Darf ein Arbeitgeber mich wegen Stottern ablehnen?
Nein. Stottern faellt unter das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Diskriminierung aufgrund von Stottern ist weder bei der Einstellung noch im Arbeitsalltag erlaubt, solange du die fachlichen Anforderungen erfuellst.
Wie bereite ich mich auf ein Vorstellungsgespräch mit Stottern vor?
Uebe den Einstieg laut. Bereite Kernantworten als Stichpunkte vor — nicht wortwoertlich. Plane bewusste Pausen ein. Und konzentrier dich auf deine Qualifikation, nicht auf perfektes Sprechen. Mehr Tipps im Artikel zu Stottern überwinden.
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