Stottern im Beruf bedeutet nicht, dass du weniger kompetent bist. Aber es fühlt sich so an — und genau das ist das Problem. Du hast die Antwort, meldest dich aber nicht. Du könntest das Team leiten, vermeidest aber die Fuehrungsrolle. Du bist der Beste für den Job, gehst aber nicht zum Vorstellungsgespräch. Ich kenne das. Ich habe jahrelang unter meinen Möglichkeiten gearbeitet, weil ich Angst vor Sprechsituationen hatte.

Die gute Nachricht: Du musst dich nicht zwischen Karriere und Stottern entscheiden. Es gibt konkrete Wege, beides unter einen Hut zu bringen — und langfristig das Stottern hinter dir zu lassen.

Warum ist der Beruf besonders schwer für Stotterer?

Im Privatleben kannst du ausweichen. Du rufst nicht an, du schreibst eine Nachricht. Du meidest den Smalltalk und gehst frueher. Aber im Job geht das nicht. Da musst du ans Telefon, musst im Meeting reden, musst dich vorstellen.

Und dann kommt der Druck dazu: Der Chef hoert zu. Kunden warten. Kollegen beobachten. Dieser Druck ist genau das, was Blockaden triggert. Nicht weil du schlecht sprichst — sondern weil du unter Beobachtung stehst. Das Stottern reagiert auf Angst, nicht auf Unfaehigkeit.

„Stottern im Job ist kein Kompetenzproblem. Es ist ein Druckproblem. Wer den Druck verändert, verändert auch das Sprechen.“

Wie gehst du mit Meetings um?

Meetings waren für mich der Horror. Zehn Leute am Tisch, alle reden frei, und ich sitze da mit einem Klos im Hals. Ich wusste genau, was ich sagen wollte — aber der Gedanke an die Blockade war staerker als der Inhalt.

1
Rede frueh

Je laenger du schweigst, desto größer wird der innere Druck. Sag in den ersten fuenf Minuten etwas — auch wenn es nur eine kurze Bestaetigung ist. Das bricht das Eis.

2
Bereite Kernaussagen vor

Nicht wortwoertlich auswendig lernen — das erzeugt neuen Druck. Aber hab 2-3 Stichpunkte im Kopf, die du einbringen willst.

3
Sitz aufrecht und atme

Nicht weil Atemtechnik das Stottern loest — sondern weil deine Koerpersprache dein Selbstvertrauen beeinflusst. Wer zusammengesunken sitzt, spricht auch so.

Was tun bei Telefonaten im Job?

Das Telefon ist für viele Stotterer die haerteste Situation überhaupt. Kein Blickkontakt, kein Laecheln, kein Nicken — nur deine Stimme. Und wenn die blockiert, ist da Stille. Mehr dazu habe ich in einem eigenen Artikel geschrieben: Stottern am Telefon.

Für den beruflichen Kontext ein schneller Tipp: Wenn du anrufst, sag nicht sofort deinen Namen. Starte mit dem Grund des Anrufs. "Ich rufe an wegen..." ist leichter als "Guten Tag, mein Name ist..." — weil der Name emotional aufgeladen ist, der Sachinhalt nicht.

Wie haltst du eine Praesentation mit Stottern?

Praesentationen klingen nach dem Albtraum schlechthin. Aber viele meiner Klienten berichten: Paradoxerweise sind Praesentationen leichter als Spontangespräche. Warum? Weil du den Inhalt kennst. Du hast dich vorbereitet. Du hast Folien als Stuetze.

Mein Rat: Starte mit einer persoenlichen Bemerkung oder einer Frage ans Publikum. Das nimmt den Fokus von dir und gibt dir Zeit, in die Situation reinzukommen. Und wenn eine Blockade kommt — mach eine Pause. Trink einen Schluck Wasser. Das wirkt souveraen, nicht unsicher.

„Die beste Praesentation meines Lebens war die, in der ich zweimal haengengeblieben bin — weil ich zum ersten Mal nicht versucht habe, es zu verstecken.“ — Klient, Teamleiter mit 15 Mitarbeitern

Sollte ich meinen Kollegen sagen, dass ich stottere?

Das ist eine persoenliche Entscheidung. Aber aus meiner Erfahrung — als Betroffener und als Coach — sage ich: Offenheit hilft fast immer. Nicht weil die anderen es wissen müssen. Sondern weil du dir selbst den Druck nimmst.

Du musst keine grosse Ankuendigung machen. Ein beilaeufiges "Ich stottere manchmal, das ist okay" reicht voellig. Die meisten Kollegen reagieren entspannt — viele wussten es laengst und haben nur nicht gewusst, ob sie es ansprechen duerfen.

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Wie bewirbst du dich mit Stottern?

Das Vorstellungsgespräch ist eine eigene Herausforderung. Kurz zusammengefasst: Ja, du darfst dich bewerben. Ja, du bist qualifiziert genug. Und nein, ein guter Arbeitgeber wird dich nicht wegen deiner Sprechweise ablehnen.

Lies den ausfuehrlichen Artikel dazu, wenn du vor einer Bewerbung stehst. Dort gehe ich Schritt für Schritt durch, wie du dich vorbereiten kannst.

Stottern im Homeoffice und bei Video-Calls

Viele meiner Klienten sagen: Im Homeoffice wird es besser und schlimmer gleichzeitig. Besser, weil weniger Beobachtung. Schlimmer, weil Video-Calls eine eigene Dynamik haben — Gesicht auf dem Bildschirm, manchmal Ton-Verzögerungen, die eigene Stimme zurückhören.

Was bei Video-Calls hilft: Kamera an, nicht aus. Ja, wirklich. Wer mit Kamera spricht, hat visuelle Rückmeldung — das Gegenüber sieht dein Gesicht und gibt zurück, dass es zuhört. Das nimmt Druck raus. Mikrofon demuten zwischen dem eigenen Sprechen hingegen ist eine Vermeidungsstrategie, die langfristig die Angst verstärkt.

Und: Das Homeoffice kann auch ein Übungsfeld sein. Du telefonierst allein, niemand hört zu. Genau die Situationen, in denen Telefonieren noch relativ leicht fällt, nutzen, um das System umzuprogrammieren. Immer mit einem kleinen Mehraufwand an Druck arbeiten — nicht mit weniger.

Stottern und Karriereziel — darf ich trotzdem aufsteigen?

Ja. Und ich sage das nicht als Ermutigung aus der Motivationsrede. Ich sage es, weil ich es erlebt habe. Als ich noch stark stotterte, habe ich Führungsrollen bewusst gemieden. Ich dachte: Wer stottert, kann keine Autorität ausstrahlen. Das war falsch — und es war teuer.

Was wirklich zählt in einer Führungsrolle: Verlässlichkeit. Klarheit. Die Fähigkeit, anderen zuzuhören. Stottern steht dem nicht im Weg. Was im Weg steht, ist die Überzeugung, dass Stottern ein Ausschlusskriterium ist — und die sitzt nicht im Stottern selbst, sondern in dem, was du darüber denkst.

Ich habe Klienten begleitet, die nach unserer Arbeit zum ersten Mal eine Teamleitungsrolle angenommen haben. Nicht weil sie aufgehört hätten zu stottern — sondern weil sie aufgehört hatten, sich dafür zu schämen. Der Unterschied im Auftreten war für alle sichtbar. Lies auch: Stottern bei Erwachsenen — Ratgeber.

Was hilft langfristig?

All diese Tipps sind Soforthilfe. Sie machen den Arbeitsalltag leichter — aber sie loesen das Stottern nicht auf. Dafür braucht es tiefere Arbeit: an den Überzeugungen, die du über dich und dein Sprechen hast. An den emotionalen Mustern, die seit Jahrzehnten laufen.

In meinem Coaching-Programm arbeiten wir genau daran. Mit NLP, mit Konfrontationsuebungen, mit echten Situationen aus deinem Berufsalltag. Nicht Theorie — Praxis. Weil du im Job Ergebnisse brauchst, keine Lehrbuchwisheit.

Wenn du wissen willst, was für dich möglich ist — lass uns reden. Unverbindlich, kostenlos, ehrlich.

Häufige Fragen

Sollte ich meinem Arbeitgeber sagen, dass ich stottere?

Das ist deine Entscheidung. Aber Offenheit nimmt den Druck raus. Wenn Kollegen wissen, dass du manchmal stotterst, entfaellt die Angst vor dem Entdecktwerden — und oft wird das Sprechen leichter. Du musst keine grosse Sache daraus machen.

Darf mein Arbeitgeber mich wegen Stottern benachteiligen?

Nein. Stottern kann als Behinderung anerkannt werden und faellt unter das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Diskriminierung aufgrund von Stottern ist weder bei der Einstellung noch im Arbeitsalltag erlaubt.

Wie bereite ich mich auf eine Praesentation vor, wenn ich stottere?

Konzentrier dich auf den Inhalt, nicht auf perfekte Ausfuehrung. Uebe laut, aber ohne Perfektionsdruck. Bereite einen starken ersten Satz vor. Und sag dir: Es ist okay, wenn ich stottere. Die Zuhoerer interessiert dein Inhalt mehr als deine Sprechweise. Mehr zum Thema im Ratgeber für Erwachsene.

A

Andreas Berg — Der Stottercoach

Ehemaliger Stotterer (20+ Jahre), NLP Practitioner, Rhetorik-Trainer. Ich schreibe hier nur über Dinge, die ich selbst erlebt oder in der Arbeit mit Klienten getestet habe. Mehr über mich →

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