5 Uebungen gegen Stottern — sofort anwendbar

Von Andreas Berg · 2. April 2026 · Lesezeit: 8 Minuten

Hier sind 5 Uebungen, die du sofort ausprobieren kannst: Bauchatmung fuer koerperliche Entspannung, Visualisierung fuer die mentale Vorbereitung auf schwierige Situationen, NLP-Ankern fuer Zustandskontrolle in Echtzeit, die Spiegel-Uebung fuer eine gesunde Selbstwahrnehmung, und Progressive Muskelentspannung zum Abbau von Grundanspannung. Jede Uebung dauert maximal 5 Minuten. Ich nutze sie selbst seit Jahren — und gebe sie meinen Klienten als Werkzeuge fuer den Alltag mit.

Bevor wir einsteigen, eine ehrliche Anmerkung: Uebungen allein werden dein Stottern wahrscheinlich nicht komplett aufloesen. Sie sind Werkzeuge — gute Werkzeuge. Aber die tiefere Arbeit findet an der Angst und den emotionalen Mustern statt. Trotzdem: Jede dieser Uebungen kann dein Sprechen im Alltag spuerbar verbessern. Los geht's.

1. Bauchatmung — die Basis fuer entspanntes Sprechen

Die meisten Stotterer atmen falsch. Nicht absichtlich — aber unter Anspannung verlagert sich die Atmung in den Brustbereich. Flach, hektisch, zu wenig Luft. Und ohne Luft kein Sprechen.

So geht's:

Setz dich bequem hin oder stell dich entspannt hin. Leg eine Hand auf deinen Bauch, direkt unter den Nabel. Atme durch die Nase ein — langsam, vier Sekunden lang. Spuer, wie sich dein Bauch nach aussen woelbt. Deine Brust bleibt ruhig. Atme durch den Mund aus — sechs Sekunden lang, langsamer als das Einatmen. Spuer, wie dein Bauch zurueckgeht.

Wiederhole das zehnmal. Morgens nach dem Aufstehen, abends vor dem Einschlafen. Und — das ist der wichtige Teil — auch direkt vor einer Sprechsituation. Vor dem Telefonat. Vor dem Meeting. Drei tiefe Atemzuege, und dein Koerper versteht: Keine Gefahr.

Warum es wirkt: Bauchatmung aktiviert den Parasympathikus — den Teil deines Nervensystems, der fuer Entspannung zustaendig ist. Es ist physiologisch unmoeglich, tief in den Bauch zu atmen und gleichzeitig in Panik zu sein.

2. Visualisierung — das Gespraech im Kopf vorweg nehmen

Sportler machen das vor jedem Wettkampf: Sie stellen sich den perfekten Lauf, den perfekten Wurf vor. Nicht weil sie Traeumer sind — sondern weil das Gehirn keinen Unterschied zwischen einer lebhaften Vorstellung und einer echten Erfahrung macht.

So geht's:

Schliess die Augen. Stell dir eine konkrete Sprechsituation vor, die dir Schwierigkeiten macht. Vielleicht ein Telefonat, ein Vorstellungsgespraech, ein Gespraech mit dem Chef. Sieh dich selbst — ruhig, entspannt, laechelnd. Hoer deine Stimme — klar, ruhig, fliessend. Spuer das Gefuehl — Sicherheit, Leichtigkeit. Bleib 2-3 Minuten in diesem Bild. Mach es so lebendig wie moeglich.

Warum es wirkt: Dein Gehirn hat jahrelang negative Szenarien durchgespielt: "Gleich stottere ich wieder." Visualisierung ersetzt dieses Muster durch ein positives. Nicht als Wunschdenken, sondern als neurales Training. Je oefter du die positive Version erlebst — auch nur im Kopf — desto wahrscheinlicher wird sie in der Realitaet.

3. NLP-Ankern — dein persoenlicher Sicherheitsschalter

Das ist meine Lieblingsuebung. Ankern ist eine NLP-Technik, mit der du einen positiven emotionalen Zustand an eine koerperliche Geste koppelst. Und dann diesen Zustand jederzeit abrufen kannst — mitten in einem Gespraech, vor einem Anruf, in jeder Situation.

So geht's:

Erinnere dich an einen Moment, in dem du dich absolut sicher und stark gefuehlt hast. Das muss nichts mit Sprechen zu tun haben. Vielleicht ein sportlicher Erfolg, ein Kompliment, ein Moment der Freude. Geh voll in diese Erinnerung rein. Sieh was du gesehen hast, hoer was du gehoert hast, spuer was du gefuehlt hast. Mach das Gefuehl so stark wie moeglich.

Wenn das Gefuehl am staerksten ist — drueck deinen Daumen und Zeigefinger zusammen. Fest. Halt die Geste 5-10 Sekunden. Dann loslassen. Wiederhol das drei- bis fuenfmal mit derselben oder verschiedenen positiven Erinnerungen — immer mit derselben Geste.

Nach ein paar Tagen Uebung: Drueck Daumen und Zeigefinger zusammen — und das gute Gefuehl kommt automatisch. Vor dem Telefonat. Im Wartezimmer. Ueberall.

Warum es wirkt: Ankern nutzt die gleiche Mechanik, die dein Stottern am Laufen haelt — nur umgekehrt. Dein Gehirn verknuepft Reize mit Emotionen. Wir ersetzen den negativen Anker (Telefon = Angst) durch einen positiven (Geste = Sicherheit).

4. Spiegel-Uebung — dir selbst beim Sprechen begegnen

Klingt unangenehm? Ist es am Anfang auch. Aber es ist eine der wirksamsten Uebungen, die ich kenne.

So geht's:

Stell dich vor einen Spiegel. Schau dir selbst in die Augen. Und dann sprich. Erzaehl von deinem Tag. Sag deinen Namen. Fuehre ein Gespraech mit dir selbst. Wenn du stotterst — bleib dran. Schau dir dabei zu. Ohne Wertung, ohne Druck.

Starte mit einer Minute. Steigere langsam auf fuenf Minuten. Mach es taeglich.

Warum es wirkt: Die meisten Stotterer vermeiden es, sich selbst beim Sprechen zu sehen oder zu hoeren. Sie wenden den Blick ab, schauen weg, druecken sich weg. Die Spiegel-Uebung macht das Gegenteil: Du konfrontierst dich — freundlich, ohne Urteil. Du lernst, dass dein Stottern nicht so schlimm aussieht, wie es sich anfuehlt. Und du baust eine gesunde Beziehung zu deinem eigenen Sprechen auf.

5. Progressive Muskelentspannung — Anspannung bewusst loesen

Edmund Jacobson hat diese Methode in den 1920ern entwickelt. Einfach, wissenschaftlich bewaehrt, und besonders wirkungsvoll fuer Menschen, die unter koerperlicher Anspannung leiden — also fuer fast jeden Stotterer.

So geht's:

Setz oder leg dich bequem hin. Beginne bei den Fuessen: Spann die Zehen fuenf Sekunden lang so fest du kannst an. Dann lass schlagartig los. Spuer den Unterschied zwischen Anspannung und Entspannung. Geh weiter nach oben: Waden, Oberschenkel, Gesaess, Bauch, Haende, Arme, Schultern, Gesicht. Jede Muskelgruppe: fuenf Sekunden anspannen, dann loslassen.

Besonders wichtig fuer Stotterer: Kiefer, Zunge, Lippen, Kehle. Diese Muskeln sind bei Stress und Sprechangst am staerksten verkrampft. Spann den Kiefer bewusst an — und lass ihn dann fallen. Spuer, wie sich das anfuehlt. Diese Entspannung im Gesicht macht beim Sprechen einen enormen Unterschied.

Warum es wirkt: Dein Koerper kann nicht gleichzeitig angespannt und entspannt sein. Wenn du lernst, die Anspannung bewusst zu loesen, gibst du deinen Sprechmuskeln die Freiheit, die sie brauchen. Und du entwickelst ein Koerpergefuehl, das dir signalisiert: "Achtung, du verkrampfst" — noch bevor die Blockade kommt.

Wie du die Uebungen in deinen Alltag einbaust

Mach nicht alles auf einmal. Waehle eine Uebung, die dich anspricht, und mach sie eine Woche lang taeglich. Dann fuege die naechste hinzu. Nach einem Monat hast du ein persoenliches Werkzeug-Set, auf das du in jeder Situation zurueckgreifen kannst.

Mein Vorschlag fuer den Start: Morgens Bauchatmung (2 Minuten), abends Progressive Muskelentspannung (5 Minuten), vor schwierigen Situationen den NLP-Anker. Mehr dazu findest du auch im Ratgeber.

Und wenn du merkst, dass die Uebungen helfen, aber nicht reichen — dann ist das normal. Uebungen arbeiten an der Oberflaeche. Die tieferen Muster — die Angst, die Vermeidung, die alten Erfahrungen — brauchen etwas anderes. Im Coaching arbeiten wir genau da, wo Uebungen aufhoeren.

Haeufig gestellte Fragen

Welche Uebungen helfen am besten gegen Stottern?

Fuenf Uebungen haben sich bewaehrt: Bauchatmung, Visualisierung, NLP-Ankern, Spiegel-Uebung und Progressive Muskelentspannung. Am wirksamsten ist die Kombination — jede Uebung setzt an einem anderen Punkt an. Alle sind oben Schritt fuer Schritt erklaert.

Wie oft sollte man Uebungen gegen Stottern machen?

Taeglich, aber kurz. 10-15 Minuten reichen. Lieber jeden Tag 10 Minuten als einmal pro Woche eine Stunde. Nach 2-3 Wochen merkst du, wie sich die Uebungen automatisieren und du sie auch in Stresssituationen abrufen kannst.

Reichen Uebungen allein aus, um Stottern zu ueberwinden?

Uebungen sind ein guter Anfang und koennen das Sprechen spuerbar verbessern. Fuer nachhaltige Veraenderung braucht es oft zusaetzlich die Arbeit an den emotionalen Mustern. Im Coaching arbeiten wir dort, wo Uebungen aufhoeren — an der Angst und den Vermeidungsstrategien.

Uebungen sind der Anfang — Coaching geht tiefer

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